Volksmärchen

Tiere

Fabeln sind Geschichten, die auf einer Moral aufgebaut sind. Sie sind gleichnishaft erzählt und ihre Protagonisten sind meist Tiere, die konkrete Rollen spielen. Auch in Märchen tauchen Tiere auf, im Unterschied zur Fabel sind sie dabei jedoch weniger festgelegt, und die Tiermärchen sind nicht als moralisch begründete Fallgeschichten angelegt. Oft sind die Tiere wundersam und treten mit Menschen in Kontakt (z.B. "Der gestiefelte Kater", "Vom Fischer und seiner Frau"), manchmal bleiben sie auch unter sich ("Der Wolf und die sieben Geißlein").

Märchen mit Tieren und Tiermärchen

  • Erich Kästner: "Der gestiefelte Kater" (Kinderbuch)

  • Hans Christian Andersen: "Die Nachtigall", "Däumelinchen", "Das hässliche Entlein" aus "Sämtliche Märchen"

  • Oscar Wilde: "Die Nachtigall und die Rose" aus "Sämtliche Märchen und Erzählungen"

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Vom Fischer und seiner Frau", "Die Bremer Stadtmusikanten", "Der Wolf und die sieben Geißlein", "Der Hase und der Igel", "Der alte Sultan" und andere aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Christian Peitz: "Ritter Balduin und der Räuber" aus "Märchen aus Lugabugien"

  • Verwandlung von Menschen in Tiere


  • Christian Peitz: "Der verwunschene Prinz" aus "Märchen aus Lugabugien"

  • Wilhelm Hauff: "Kalif Storch"

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Brüderchen und Schwesterchen" aus den "Kinder- und Hausmärchen"


  • Der böse Wolf

    Eine besondere Tiergestalt im Märchen ist der böse Wolf. Dieser tritt überaus hinterhältig auf und hat stehts das Fressen der Protagonisten im Sinn. "Rotkäppchen" (Grimm), "Der Wolf und die sieben Geißlein" (Grimm) und "Die drei kleinen Schweinchen" (Jacobs) erzählen von diesem berühmten Märchenschurken. Auch in der Märchencollage "Rumpelstilzchen schlägt zurück" (Peitz) tritt der böse Wolf und findet sein bei Grimm typisches Schicksal: Er landet im Brunnen. Interessant, wenn auch kein Märchen, ist auch das Bilderbuch "Steinsuppe", in den ein alter Wolf in das Dorf der Tiere kommt und die Tür der Henne klopft. Wird er sie fressen oder tatsächlich nur Steinsuppe kochen?

    Der böse Wolf

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Rotkäppchen" und "Der Wolf und die sieben Geißlein" aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Joseph Jacobs: "Die drei kleinen Schweinchen" aus den "Englische Volksmärchen"

  • Christian Peitz: "Rumpelstilzchen schlägt zurück" aus dem gleichnamigen Buch und Hörbuch

  • Anais Vaugelade: "Steinsuppe" (Bilderbuch)


  • Der Esel und seine Ohren

    Beim Esel als Märchenfigur denken viele vermutlich zunächst an den Esel aus "Tischlein deck Dich". Der ist zwar nicht als Figur interessant, da er mit dem "Tischlein deck Dich" und dem "Knüppel aus dem Sack" in einer Reihe steht und daher eher als magisches Artefakt zu sehen ist, aber der "Goldesel" ist durch dieses Märchen zum festen Begriff geworden. Einen weiteren bekannten Esel gibt es in der deutschen Märchenlandschaft, und der ist Sänger bei den "Bremer Stadtmusikanten".

    Ein neben dem Esel als Figur sehr interessantes Märchenmotiv ist der Mensch mit Eselsohren. Hier ist zunächst mal das vor allem in Portugal, aber auch in Spanien bekannte Märchen "Der Prinz mit den Eselsohren" zu nennen. Da bekommen Königin und König einen Sohn. Die Feen geben ihm gute Wünsche mit auf den Weg, nur eine Fee sagt, dass ihm Eselsohren wachsen sollen, damit er nicht zu stolz und hochmütig werde. Und so geschieht es.

    In "Der kleine Muck" von Wilhelm Hauff isst die Titelfigur magische Feigen, woraufhin ihm Eselsohren wachsen. Durch das Essen von magischen Feigen eines anderen Baumes verschwinden die Eselsohren wieder. Diese beiden Sorten Feigen nutzt der kleine Muck aus und stellt damit den Hofstaat auf den Kopf.

    Auch in dem bekannten Kinderbuch "Pinocchio" geschieht etwas Ähnliches. Im Spielland gibt sich Pinocchio dem Müßiggang hin, und er verwandelt sich in einen Esel. Er wird an einen Zirkus verkauft, wo er sich während einer Vorstellung verletzt. Er wird weiterverkauft, ins Meer geworfen und verwandelt sich zurück.

    Selbst in der Antike gibt es das Motiv: Lucius Apuleius schrieb einen lateinischen Roman nach der griechischen Vorlage von Lukian von Samosata. Titel: "Der goldene Esel". Ein junger Mann beobachtet eine Hexe, die sich mit Hilfe einer Salbe in einen Vogel verwandelt. Er will es auch versuchen, doch weil dabei die Salben verwechselt werden, verwandelt er sich in einen Esel.

    Das Märchen "Eselsohr und Hahnenkamm" (Christian Peitz) greift das Motiv ebenfalls auf. Hier stehlen zwei junge Burschen einer Hexe Äpfel vom Baum. Und als sie die Äpfel essen, verwandeln sie sich. Dem einen wächst ein Hahnenkamm und ein Schnabel, dem anderen wachsen Eselsohren. Sie werden nun verspottet und ausgegrenzt, suchen das Weite und landen schließlich bei einem kleinen Jahrmarkt, dessen Direktor sie quasi als Monster ausstellt. Nun tun sie alles, um aus dem Jahrmarkt zu fliehen.

    Esel und Eselsohren

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Die Bremer Stadtmusikanten" und "Tischleindeckdich" aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Wilhelm Hauff: "Der kleine Muck"

  • Carlo Collodi: "Pinocchio"

  • Lucius Apuleius: "Der goldene Esel"

  • Christian Peitz: "Eselsohr und Hahnenkamm" aus "Rumpelstilzchen schlägt zurück"


  • Die Nachtigall

    Es gibt Tiere, von denen die Menschen ganz ohne Magie verzaubert werden. Der Nachtigall gelingt dies durch ihren Gesang. Es gibt kaum ein zweites Tier, das so symbolhaft für die Literaturepoche Romantik steht wie die Nachtigall. Berühmt und beliebt wegen ihres schönen Gesanges spielte die Nachtigall in zahlreichen romantischen Märchen, Gedichten und Dramen eine Rolle. Nicht nur der bekannte deutsche Romantiker Joseph von Eichendorff hat dem Vogel sein "Nachtigall" gewidmet. Er wird auch in einer bekannten Redewendung aus William Shakespeares "Romeo und Julia" erwähnt: "Es war die Nachtigall und nicht die Lerche." Und die Nachtigall taucht in verschiedenen Märchen auf, z.B. "Die Nachtigall" (Andersen) oder "Die Nachtigall und die Rose" (Wilde). Auf ironische Weise wird in "Der romantische Bäcker" (Peitz) mit der romantischen Nachtigall-Symbolik gespielt, denn die kann nicht singen, weil sie im Stimmbruch ist.















    Die Bremer Stadtmusikanten