Volksmärchen

Räuber, Diebe und Betrüger

Räuber, Dieb und Betrüger haben gemein, dass sie den arglosen Märchenhelden ihr Hab und Gut und in "Der falsche Prinz" (Hauff) sogar ihren Rang streitig machen wollen. Sie unterscheiden sich lediglich in ihrer Methodik und Gewaltbereitschaft.

Räuber

Wenn im Märchen das Wort "Räuber" fällt (wie auch im Strafgesetztbuch) geht dies mit Waffengewalt einher. Ob sie nun mit Säbeln oder Räuberpistolen ausgestattet sind, sie schrecken vor Mord und Totschlag nicht zurück. In "Ali Baba und die vierzig Räuber" (Tausendundeine Nacht) wird der Bruder des Protagonisten von den Räubern ermordet und viergeteilt. In "Der Räuberbräutigam" zerstückeln die Räuber eine Braut. In "Die Schneekönigin" (Andersen) tauchen ebenfalls Räuber auf, die den Kutscher ermordern. Die kleine Gerda bleibt lediglich am Leben, weil die Räubertochter Gefallen an ihr findet.

Am Ende aber werden die Räuber (oft durch List und Tücke) besiegt. Die "Bremer Stadtmusikanten" (Grimm) verjagen sie aus ihrem Haus, indem sie diese glauben machen, es mit Gespenstern zu tun zu haben. In "Das Wirtshaus im Spessart" (Hauff) verkleidet sich Felix als Frau, und so werden die Räuber hinters Licht geführt. In "Drei Räuber und ein Rabenkönig" (Janosch) spielt der Rabe die unbesiegbaren Räuber gegeneinander aus.

In "Die Räuberpistole" (Peitz) herrscht ein anderes Bild der gefürchteten Räuber. Sie betrachten das Überfallen von Menschen ganz leidenschaftslos als ihre Arbeit und zahlen sogar Steuern. Ähnlich ist es in "Antek Pistole" (Janosch). Dieser ist eigentlich Besenbinder, aber die Leute überreden ihn, Räuber zu werden, da er einen so passenden Nachnamen für diesen Beruf habe. Als Räuber jedoch scheitert er kläglich, da immer er derjenige ist, der ausgeraubt wird. In "Im Räuberwald" (Peitz) will ein Räuber eine Gräfin ausrauben. Doch da diese bereits mehrfach überfallen wurde, hat sie nichts mehr. Kurzentschlossen raubt ihr der Räuber ihren Diener. Und dieser Diener nimmt sich vor, den Räuber zu erziehen.

Räubermärchen

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Die Bremer Stadtmusikanten", "Der Räuberbräutigam", "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren", "Der Räuber und seine Söhne" aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Wilhelm Hauff: "Das Wirtshaus im Spessart" aus "Sämtliche Märchen"

  • Hans Christian Andersen: "Die Schneekönigin" aus "Sämtliche Märchen"

  • Astrid Lindgren: "Im Wald sind keine Räuber" aus "Märchen"

  • Tausendundeine Nacht: "Ali Baba und die vierzig Räuber"

  • Janosch: "Drei Räuber und ein Rabenkönig", "Antek Pistole" aus den gleichnamigen Kinderbüchern

  • Christian Peitz: "Die Räuberpistole" aus "Märchen aus Lugabugien", "Im Räuberwald" aus den "Teelöffelmärchen"


  • Diebe und Betrüger

    Der Dieb ist dadurch definiert, dass er (hauptberuflich) anderen etwas stiehlt. Er taucht im Märchen eher selten auf. Bekanntestes Beispiel ist vielleicht "Der Meisterdieb" (Grimm). In diesem Märchen bekommt ein reich gewordener Meisterdieb von seinem ehemaligen Paten, einem Grafen, drei Aufgaben: Er soll erstens das beste Pferd aus dem Stall stehlen, zweitens in der Nacht das Bettlaken aus des Grafen Bett und den Trauring vom Finger der Gräfin, und drittens den Pfarrer aus der Kirche. Zwar löst er diese Aufgaben, aber im Detail könnte man sich darüber streiten, ob man hier von "Diebstählen" oder "raffinierten Betrügereien" sprechen sollte. Auch "Der Hirsedieb" (Bechstein) ist im Grunde kein Dieb im klassischen Sinne.

    Der Betrüger ist dadurch definiert, dass er sich durch das Vorspielen falscher Tatsachen bereichert. So wie beispielsweise der Wirt in "Tischchendeckdich" (Grimm) bzw. "Tischlein, deck dich" (Bechstein), der zweien der drei Brüder ihre Besitztümer wegnimmt, indem er sie gegen ähnlich aussehende (aber eben nicht magische) Gegenstände ersetzt. In "Kalif Storch" (Hauff) gibt sich der Betrüger Mirza als Krämer aus und dreht dem Kalifen und seinem Wesir ein Pulver an, mit dessen Hilfe sie sich in Störche verwandeln können. Mirza und seinem Vater geht es dabei um den Thron. In "Der falsche Prinz" (Hauff) bekommt der Schneidergeselle Labakan das Festkleid eines Prinzen auf den Tisch. Er behält es für sich, lernt einen echten Prinzen kennen, der noch unbekannt ist und kurz vor der Thronbesteigung steht. Er stielt dem echten Prinzen einen Dolch (Erkennungsmerkmal) und macht sich an seiner Stelle auf den Weg, den Thron zu besteigen. ... Wie diese vielen Beispiele zeigen, sind Diebstahl und Betrug im Märchen meist zusammengehörende Handlungen.

    Märchen von Dieben und Betrügern

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Tischchendeckdich", "Der Meisterdieb" aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Wilhelm Hauff: "Kalif Storch", "Der falsche Prinz" aus "Sämtliche Märchen"

  • Ludwig Bechstein: "Tischlein deck dich", "Der Hirsedieb" aus "Sämtliche Märchen"
















  • Tischchendeckdich