Volksmärchen

Zauberspiegel und Co - Die magischen Gegenstände

Im Märchen wimmelt es nur so von magischen Gegenständen. An dieser Stelle soll es aber nur um diejenigen gehen, die lebendig sind und vielleicht sogar eine Seele haben.

Zauberspiegel

Der Zauberspiegel ist ein allwissendes Zauberinstrument und der bösen Stiefmutter aus "Schneewittchen" (Grimm) zu Diensten. Er beantwortet die Frage "Spieglein, Spieglein an der Wand / wer ist die Schönste im ganzen Land?". Dies findet sich schon bei Musäus, der in seinem Märchen "Richhilde" (1782) ebenfalls einen Zauberspiegel beschreibt. Richhilde, eine junge, schöne Witwe, sagt zu ihm den Spruch: "Spiegel blink, Spiegel blank / Goldener Spiegel an der Wand / Zeig mir die schönste Dirn in Brabant." Der Ursprung des allwissenden Spiegels ist allerdings noch deutlich älter. Die Sammlung "Hundertundeine Nacht", die als eine Art kleine Schwester der Märchen aus "Tausendundeiner Nacht" angesehen wird, erzählt in der Rahmengeschichte vom Spiegel. Da fragt der König beim Blick in den Spiegel: "Kennt ihr irgendjemanden auf der Welt, der schöner ist als ich?" - Auch in zeitgenössischen Märchen taucht der Zauberspiegel auf. In den Märchencollagen "Rosdörnchen" und "Puranzel" (Peitz) hat er einen Gastauftritt.

Der Zauberspiegel im Märchen

  • 101 Nacht: Aus dem Arabischen übersetzt von Claudia Ott.

  • Johann Karl August Musäus: "Richhilde" aus "Deutsche Volksmärchen"

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Schneewittchen" aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Christian Peitz: "Rosdörnchen" aus "Rumpelstilzchen schlägt zurück" (Buch und CD) und "Puranzel" (CD "Der Märchenprinz")


  • Spielzeugmärchen

    Nach "Toy Story" (1995) und "Toy Story 2" (1999) lief im Jahr 2010 "Toy Story 3" in den deutschen Kinos an. Die drei Filme bauen auf der kleinkindlichen Fantasie auf, dass Spielzeuge lebendig sind und hinter dem Rücken ihrer Besitzer ein eigenes Leben führen. Erzählt werden die Geschichten eines Cowboys und eines Astronauten, die spannende Abenteuer erleben. Die Tradition der Spielzeuggeschichten liegt im Kunstmärchen des 19. Jahrhunderts.

    Bereits 1816 schrieb E.T.A. Hoffmann das Märchen "Nussknacker und Mausekönig", in dem ein Mädchen (Marie) mit einem Nussknacker spielt und ein fantastisches Abenteuer erlebt. Auch Hans Christian Andersen hat mit "Der standhafte Zinnsoldat" (1838) ein berühmtes Spielzeugmärchen geschrieben. Hier spielen Menschen eine sehr unter-geordnete Rolle. Es geht um einen einbeinigen Zinnsoldaten, der sich verliebt und ein Abenteuer erlebt. 1949 schrieb Astrid Lindgren das Märchen "Im Wald sind keine Räuber"“. Hier nimmt eine Spielzeugpuppe Kontakt zu dem kleinen Peter auf, weil ein Räuber sie bedroht.

    Spielzeugmärchen

  • E.T.A. Hoffmann: "Nussknacker und Mausekönig" (Kinderbuch), verschiedene Hörbuchfassungen,

  • Igor Stravinski: "Petruschka" (Märchen-Ballett)

  • Hans Christian Andersen: "Der standhafte Zinnsoldat" aus "Sämtliche Märchen"

  • Astrid Lindgren: "Im Wald sind keine Räuber" aus "Märchen"

  • Janosch: "Lari Fari Mogelzahn" (Kinderbuch)

  • J.R.R. Tolkien: "Roverandom" (Kinderbuch)

  • Kate DiCamillo: "Die wundersame Reise von Edward Tulane" (Kinderbuch)


  • Das Spinnrad - nicht magisch, aber wichtig

    Die alten Volksmärchen wurden über hunderte von Jahren mündlich weitererzählt, eh sie von Sammlern wie den Brüdern Grimm und anderen aufgeschrieben wurden. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die Märchen dabei immer wieder verändert und weiterentwickelt haben. Es ist wie bei dem Spiel "Stille Post". Dass die Brüder Grimm die Märchen gesammelt und aufgeschrieben haben, war auf der einen Seite ein Segen. Auf der anderen wurde dadurch aber auch verhindert, dass sie sich weiterentwickeln konnten, denn heute werden die Märchen wohl kaum noch frei erzählt, sondern aus den Grimm-Büchern vorgelesen. Die deutschen Volksmärchen sind statisch geworden.

    Einer Weiterentwicklung der Märchen wäre vielleicht das Spinnrad zum Opfer gefallen, ein mechanisches Gerät, mit dessen Hilfe man Fäden jedweder Art herstellte. Es wurde traditionell von Frauen genutzt, den Spinnerinnen. Während verheiratete Frauen dies zuhause in der Familie taten, trafen sich unverheiratete Frauen in sogenannten Spinnstuben, um gemeinsam der Handarbeit nachzugehen. Während des Spinnens wurde sowohl in den Familien als auch in den Spinnstuben viel erzählt. Daher stammen auch die Begriffe "flachsen" (ursprünglich: "Fasern aus Flachs herstellen") und spinnen (ursprünglich: "Fäden herstellen"), die umgangssprachlich so etwas bedeuten wie "Unsinn erzählen" oder auch "Märchen erzählen". Die Erzählungen der Seeleute nennt man "Seemannsgarn". Zudem kennt man es, wenn jemand "den Faden verliert", "alle Fäden in der Hand hält", oder wenn eine Geschichte keinen "roten Faden" hat. Somit ist das Spinnrad auch ein Symbol für das Geschichtenerzählen.

    Seit 1785 wurde das Spinnen industrialisiert. Jedoch sollte noch Zeit vergehen, eh die Spinnmaschinen technisch immer besser wurden, und eh das manuelle Spinnen am Spinnrad nach und nach zu überflüssiger Handwerkskunst wurde. Die Brüder Grimm sammelten ihre Märchen Anfang des 19. Jahrhundert und veröffentlichten ihren ersten Märchenband im Jahr 1812, zu einer Zeit also, in der Spinnräder noch weit verbreitet waren. So wundert es nicht, dass das Spinnrad in einigen Märchen eine zentrale Bedeutung hat.

    In "Frau Holle" fällt eine Spindel in den Brunnen, in "Dornröschen" (Grimm) sticht sich die Titelfigur an einer Spindel. In "Rumpelstilzchen" soll an einem Spinnrad Stroh zu Gold gesponnen werden. Und dann gibt es da noch die Märchen "Die faule Spinnerin" und "Die drei Spinnerinnen". Die bekannte Märchensammlung der tschechischen Märchensammlerin Božena Nemcová heißt sogar "Das goldene Spinnrad".

    Heute sind handwerkliche Tätigkeiten kaum noch üblich, und Spinnstuben sind es schon gar nicht. Die Industrie hat dem Menschen vieles abgenommen. Da wundert es nicht, dass in zwei Drittel aller Familien in Deutschland keine Geschichten mehr vorgelesen oder erzählt werden. Das Spinnrad ist aus den meisten Wohnstuben und das Spinnen aus dem Repertoire möglicher Tätigkeiten gewichen. Was nun statt dessen hätte Teil der Märchen werden können, ist sehr ungewiss. Und so ist es vielleicht doch gut, dass die Brüder Grimm die Märchen aufgeschrieben haben. Wer weiß, ob sie die immer weiter sich entwickelnde Industrialisierung überhaupt hätten überleben können.















    Zauberspiegel